Warum Bosnien und Herzegowina für DACH-Unternehmen immer interessanter wird

Warum Bosnien und Herzegowina für DACH-Unternehmen immer interessanter wird

Die neue Logik europäischer Investitionen

Nach jahrelangen Störungen in globalen Lieferketten achten Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht mehr nur auf den niedrigsten Produktionspreis. Heute interessieren sie sich für eine Kombination aus Nähe, Verlässlichkeit, Flexibilität und Kosten. In dieser veränderten Logik rückt Bosnien und Herzegowina in den Kreis ernst zu nehmender Nearshoring-Standorte auf.

Für Unternehmen aus der DACH-Region liegt ein zentraler Vorteil Bosnien und Herzegowinas darin, dass es sich um einen europäischen Wirtschaftsraum handelt, der logistisch nah an den wichtigsten Absatzmärkten liegt, zeitlich mit den Kunden abgestimmt ist und kulturell deutlich näher ist als weit entfernte asiatische Märkte. Das bedeutet nicht, dass Bosnien und Herzegowina alle fernen Produktionsstandorte ersetzt. Sehr häufig wird das Land jedoch zu einer sinnvollen Ergänzung oder zu einer zweiten Basis für Produktion, Montage, Bearbeitung, Service oder Backoffice-Unterstützung.

Worauf Investoren wirklich achten

Ausländische Investoren treffen heute nur selten Entscheidungen auf Basis einer einzigen Kennzahl. Der Steuersatz ist wichtig, doch ebenso relevant sind Fragen zur Verfügbarkeit von Arbeitskräften, zu den gesamten Arbeitskosten, zu Strompreisen, zur Distanz zu den Kunden, zum Lieferantennetzwerk, zum Währungsrisiko und zu regulatorischen Verpflichtungen gegenüber der EU.

Bosnien und Herzegowina ist deshalb interessant, weil mehrere dieser Parameter gleichzeitig für das Land sprechen. Eine Körperschaftsteuer von 10 %, eine einheitliche Mehrwertsteuer von 17 %, die feste Bindung der Konvertiblen Mark an den Euro, relativ wettbewerbsfähige Arbeitgebergesamtkosten und die direkte Landverbindung zu Kroatien als Mitgliedstaat der Europäischen Union schaffen einen geschäftlichen Rahmen, der sich Investoren leicht erklären und modellieren lässt.

Ein Vorteil für ausländische wie für heimische Unternehmen

Wichtig ist zu verstehen, dass die Investitionswelle aus der DACH-Region nicht nur für ausländische Unternehmen von Bedeutung ist. Jede neue Investition schafft auch Raum für heimische Firmen: für Transporteure, Subunternehmer, Verpackungshersteller, Buchhaltungsdienstleister, Servicetechniker, Personalvermittlungen, IT-Support und lokale Komponentenlieferanten.

Mit anderen Worten: Die Geschichte von Investitionen ist nicht nur die Geschichte davon, wie man ein Unternehmen aus Deutschland ins Land holt. Sie ist auch die Geschichte davon, wie ein lokales Unternehmen Teil der Wertschöpfungskette werden, von anspruchsvolleren Kunden lernen und mit stabileren internationalen Verträgen schrittweise wachsen kann.

Warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist

Der größte Vorteil Bosnien und Herzegowinas besteht heute nicht darin, „billig“ zu sein, sondern darin, ein gutes Verhältnis von Kosten, Geschwindigkeit und europäischer Nähe bieten zu können. Für DACH-Unternehmen ist das oft bereits eine ausreichende Grundlage, um Bosnien und Herzegowina auf die engere Liste möglicher Investitionsstandorte zu setzen.

Genau deshalb zieht die allgemeine Geschichte vom „günstigen Standort“ am Markt nicht mehr. Gefragt sind konkrete Argumente, klare Daten und ein Verständnis für die Perspektive des Investors. Ein Unternehmen, das diese Geschichte in die Sprache des Geschäfts übersetzen kann, wird deutlich sichtbarer und überzeugender sein.